Hansestädte

15 Jan , 2010  

Stralsund. Am Donnerstag, dem 21. Januar 2010, wird zu einem spannenden Vortrag in den Mehrzwecksaal des OZEANEUMs eingeladen. Dann wird Haik Thomas Porada um 19:00 Uhr über die Bedeutung der Fischerei vom 15. bis zum 17. Jahrhundert für den Staatsaufbau an der südlichen Ostseeküste berichten.

Die pommerschen Bodden, Haffe und Strandseen sowie die Flüsse und Binnenseen werden seit Jahrtausenden intensiv befischt. Schon für das Mittelalter ist ein saisonaler Heringsfang um Rügen nachweisbar. Daneben hatte das Odermündungsgebiet als ganzjährig genutztes Großfischereigebiet eine herausragende Bedeutung. Entlang der südlichen Ostseeküste und teilweise bis tief ins Binnenland erfolgte von hier aus die Versorgung mit frischem, getrocknetem und gesalzenem Fisch.

In Pommern fielen im Ergebnis der Reformation rund um das Stettiner Haff mit dem säkularisierten Besitz der Klöster und Stifte auch deren umfangreiche Fischereiberechtigungen an die Landesherrschaft, die damit schlagartig zum dominierenden Anrainer wurde. Der Umstand, dass dieser Raum infolge der Säkularisation erstmals als zusammenhängendes Fischereigebiet erschien, und die mit den Erbverträgen begründete Teilungspraxis von 1541 bzw. 1569 machten eine landesherrliche Regulierung der Fischerei notwendig. Zwischen den Ämtern Ueckermünde (für die Teilherrschaft Pommern-Wolgast) und Wollin (für die Teilherrschaft Pommern-Stettin) wechselte jährlich die Aufsicht über das Haff. Mit diesem Wechsel war ein gemeinsamer Abrechnungstermin von Vertretern der Regierungen beider Teilherrschaften verbunden, der für ein Jahrhundert bis zum Dreißigjährigen Krieg zu einer festen Einrichtung der Finanzverwaltung des gesamten Herzogtums wurde. Sowohl die Form als auch die Art dieser speziellen Administration von Fischerei auf großen, bei Landesteilungen als Gemeinbesitz ausgewiesenen Wasserflächen war unter den Reichsterritorien der Frühen Neuzeit ein Sonderfall.

Der Referent wurde 1972 in Greifswald geboren. Von 1991 – 1997 studierte er Geschichte, Skandinavistik und Geographie an den Universitäten Greifswald, Marburg an der Lahn und Stockholm. Seit 2002 ist Haik Thomas Porada Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig. 2006 erfolgte die Promotion mit der vorliegenden Arbeit an der Philosophischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.


Kommentare sind geschlossen.